Sprachförderkonzept der Kita Vorbrück

Einstieg in das Sprachbildungs-und Sprachförderkonzept

Die Kindertagestätte Vorbrück ist eine zertifizierte, reggioinspirierte Einrichtung und orientiert sich an den charakteristischen Merkmalen der Reggio-Pädagogik.

Ein besonderes Merkmal der Reggio-Pädagogik ist die Grundhaltung gegenüber den Kindern und den Erwachsenen.

Diese Grundhaltung ist ein wesentlicher Bestandteil zur Sprachbildung-und Sprachförderung im pädagogischen Alltag und beinhaltet folgende Eckpunkte.

Wir geben jedem Kind eine Stimme, hören zu, was es zu sagen hat und fragen nach dem Sinn. Wir nehmen die Kinder in ihrem individuellen Reichtum wahr und sehen sie als Akteure ihrer eigenen Entwicklung.

Ein entscheidender Multiplikator kindlicher Gedanken ist das gemeinsame Gespräch der Kinder untereinander und ist für das Lernen in Projekten von hoher Bedeutung.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Sinneserfahrung (die 100 Sprachen der Kinder) bilden die Basis für die vielen Sprachen der Kinder.  Als gleichwertiges Werkzeug des Geistes erschließt sich diese vielfältige Sinneserfahrung als der Reichtum im Umgang mit der Welt.

Die Beobachtung und Dokumentation ist die Grundlage einer Pädagogik des Zuhörens und der Partizipation der Kinder und macht Lernen sichtbar. Die „sprechenden Wände“ in unserer Einrichtung   helfen den Kindern, Lernprozesse zu rekonstruieren,  zu überdenken,  zu strukturieren und eigene Lernstrategien zu verbessern.

Eine ansprechende und strukturierte an den Interessen der Kinder orientierte Raumgestaltung erfordert eine permanente Beobachtung der Spiel und Lernprozesse der Kinder. Als reichhaltige, vorbereitete Umgebung unterstützt der Raum, als „dritter Erzieher“  unser handeln und dient den Kindern als Werkstatt für forschendes Lernen.

In der Projektarbeit-Gestaltung von Bildungsprozessen verbinden sich alle wesentlichen Elemente der Reggio-Pädagogik  und fördern die Sprachbildung- und Sprachförderung im pädagogischen Gruppenalltag.

Sprachbildungs- und Sprachförderkonzept.

 

1)      Entwicklung von Handlungskompetenzen der sozialpädagogischen Fachkräfte für eine alltagsintegrierte Sprachförderung.

Die Fähigkeit, Sprache zu erwerben, ist ein Teil der genetischen Veranlagung eines Menschen. Das Gehirn eines Kindes ist von Natur aus darauf vorbereitet, sprachliche Muster zu entdecken, sowie Regeln zu bilden und zu verfeinern. Bevor Kinder selbst erste Wörter aussprechen, verfügen sie bereits über einen passiven Wortschatz. Sprache ist die wichtigste Grundlage der Kommunikation mit anderen Menschen und entwickelt sich durch Qualität und Beziehung. Die Sprachbildung ist eine wichtige Aufgabe aller Fachkräfte im pädagogischen Alltag.

 Sprachbildung im pädagogischen Alltag:

-          Beziehungsarbeit beachten:

-           Beziehungen, Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung sind Voraussetzung und Bestandteil von Kommunikation und Dialog. Sprachbildungskompetenz ist daher immer auch die Kompetenz, Beziehungen aufzubauen und vertrauensvoll zu gestalten.

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-          Kommunikation stattfinden lassen:

-          Ein wichtiger Ausgangspunkt für Kommunikation im pädagogischen Alltag ist eine systematische Begleitung von Sprechanlässen. Der Dialog und die Gesprächsführung ist daher eine zentrale methodisch, didaktische Herausforderung.

-          Das dialogische Betrachten von Bilderbüchern oder das Vorlesen und Sprechen über Geschichten  (Literacy) ist ein wichtiger Ansatz für Kommunikation , in der alltagsintegrierten Sprachbildung-und Sprachförderung.

-          Über Bücher können Kinder unterschiedliche Perspektiven, Personen, Ereignisse und Gefühle  kennenlernen und diese zu sich und den eigenen Erfahrungen in Beziehung setzen. Bücher tragen so zur Auseinandersetzung mit der Welt und zur Identitätsentwicklung bei.

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-          Wortschatzerweiterungen :

-          Durch Versprachlichung gemeinsamer Aktivitäten;

-           wenn Kinder laufen, klettern, kriechen oder sich verstecken, sollten pädagogische Fachkräfte diese Handlungen sprachlich begleiten. Im bewegten Spiel erfahren die Kinder von „oben und unten.“ Sie verinnerlichen Tätigkeiten, wenn sie sie  „begreifen.“ So verknüpfen sie Eigenschaften, Beziehungen und funktionale Merkmale zu Begriffen. Ohne diese Verknüpfungen bleiben die Wörter arm an Bedeutung und die Begriffsbildung wird erschwert.

-          - Durch Musik, Sprach-Sing-Spiele und Reime;

-           Musische Bildung bietet den Kindern vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung von Stimme, Klang und Sprachrhythmus. Das wiederholte Angebot von Singspielen und Liedern ermöglicht das spielerische Verbinden von Atmung, Stimme und Rhythmusgefühl zu sprachlichen Bewegungsabläufen und fördert die Sprechfertigkeit.

Sprachvorbild sein :

Die Sprachbildungskompetenz der Fachkräfte  ist eine zentrale Voraussetzung für Sprachbildung und Sprachförderung und beruht auf einem Bewußtsein dafür, dass die eigene Rolle als Kommunikationspartner ein zentrales Element ist und der Fähigkeit, im pädagogischen Alltag Sprechanlässe zu schaffen, in denen Kinder aktiv ihre sprachlichen Kompetenzen erproben und erweitern können. Sprachbildung und Sprachförderung bauen auf einer offenen,  interessierten und wertschätzenden Haltung gegenüber dem Kind auf. Eine zugewandte Kommunikation beinhaltet , dass den Kindern Zeit zur Verfügung gestellt wird, um ausreden zu können, dass Fehler akzeptiert und umsichtig korrigiert werden,  dass geduldig zugehört wird, um die Freude am Sprechen zu fördern.  Dialoge sollten zu „Sternstunden“ für die Kinder werden.

Die Sprachbildung-und Sprachförderung wird in den Gruppen durch die Sprachförderkräfte der Einrichtung unterstützt.

 

 Sprachförderung im pädagogischen Alltag:

Sprachförderbedarf entsteht oftmals aus den besonderen Sprach-und Lebenssituationen des Kindes. Sprachförderung muss daher immer das soziale Umfeld eines Kindes berücksichtigen.

Sprachförderkräfte gehen auf die Interessen und Kommunikationsbedürfnisse der Kinder ein und setzen in diesem Kontext Impulse zur Planung und Durchführung der  Sprachfördermaßnahmen. Die Sprachförderung kann unterschiedlich organisiert sein. In der Regel findet die Intensivierung sprachbildender Anregungen in pädagogischen Alltag statt und sind in den Bildungssituationen eingebettet: Im Morgenkreis, im Freispiel, in Projekten, in Waldwochen oder bei Ausflügen. Um die aktiven Sprechanteile einzelner Kinder zu erhöhen kann in Kleingruppen für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf,  in einer ruhigen und konzentrierten Lernatmosphäre gearbeitet werden. Sie bieten den Sprachförderkräften die Möglichkeiten, das sprachliche Verhalten von Kindern zu beobachten und zu erkennen, womit sich die Kinder beschäftigen.

Wichtig ist, dass die Sprachförderung für bestimmte Kinder einer Gruppe mit der allgemeinen Sprachbildung des pädagogischen Alltags verzahnt ist und diese sinnvoll ergänzt.

Wenn Themen der Sprachförderung auch im pädagogischen Alltag eine Rolle spielen, dann können die Kinder Sprachanregungen aufgreifen und auch über die besondere Fördersituationen hinaus anwenden, wiederholen und festigen.

 

2)      Beobachtung, Dokumentation und Reflexion des Sprachentwicklungsstandes als Basis für die individuelle Förderung im Gruppenkontext.

Sprachbildung und Sprachförderung orientieren sich am Entwicklungsstand, an den Interessen und den aktuellen Bedürfnissen und Fragestellungen eines Kindes. Sie berücksichtigen seinen familiären Hintergrund, seine kulturelle Herkunft und die Kenntnisse einer nicht- deutschen

Erstsprache. Wahrnehmung, Beobachtung und Reflexion von Sprachentwicklung ist die Grundlage einer individuellen Förderung zur Anbahnung der nächsten Entwicklungsschritte eines Kindes.

Wir beobachten die Entwicklung jedes Kindes und der Gesamtgruppe. Wir dokumentieren Bildungs-und Lerngeschichten in Form von Portfolios. Es wird von allen Kindern ein Entwicklungs-und Kompetenzprofil geführt und in regelmäßigen Abständen überarbeitet. Weitere strukturierte Beobachtungs-und Dokumentationsverfahren wie Sismik und Seldak kommen in der Kindertagesstätte zum Einsatz. In der Krippe stehen die Beobachtungs-und Dokumentationsbögen Liseb1 und Liseb2 zur Verfügung. Sie ermöglichen es den Fachkräften, das sprachliche Verhalten eines Kindes in verschiedenen Situationen zu erfassen, seine Sprachfähigkeiten über Lautbildung, Wortschatz und Grammatik einzuschätzen. Sie ermöglichen die Ansatzpunkte für eine wirksame Unterstützung, mit der Kinder über ihr momentanes Können hinauskommen und die nächsten Entwicklungsschritte nehmen können.

 

Darüber hinaus setzen wir das Marburger-Sprach-Screening ein, um festzustellen, ob ein Kind in seiner Sprachentwicklung auffällig ist und weitere Unterstützung benötigt.

Es findet ein regelmäßiger Austausch mit den Gruppenteams statt, um Fördermöglichkeiten im Gruppenalltag zu planen, Entwicklungsschritte zu dokumentieren und weitere Schwerpunkte für die Sprachbildung und- Sprachförderung zu erarbeiten.

 

3)      Stärkung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern unter Berücksichtigung familiärer Lebenshintergründe.

 

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie wechselseitiger Respekt und
Wertschätzung sind unentbehrlich, um optimale Entwicklungsbedingungen für eine
individuelle Förderung der Kinder zu erreichen.
In der Zusammenarbeit mit der Tageseinrichtung sollten Eltern erleben, dass ihre
eigenen Lebenserfahrungen und ihre Erziehungskompetenz anerkannt werden und sie
diese in die Förderung ihrer Kinder einbringen können. Sie sind die Experten ihrer Kinder,
sie kennen die Lebensgewohnheiten ihrer Kinder mit deren Stärken und Schwächen.
Die Fachkräfte der Tageseinrichtung bestärken Eltern von mehrsprachigen Kindern in ihrer Verantwortung für Erhalt und Stärkung der Familiensprachen. Sie vermitteln, dass
die Erst-und Zweitsprache von Kindern nicht in Konkurrenz miteinander treten.
Eltern profitieren bei der Förderung ihrer Kinder von pädagogischen Anregungen und
Hinweisen, welche Ressourcen im Umfeld des Kindes für Sprachbildung und Sprachförderung genutzt werden können.

 

 

4)      Kooperation mit Grundschullehrkräften für Maßnahmen einer multiprofessionell durchgeführten alltagsintegrierten Sprachförderung von Kindern im letzten Jahr vor der Einschulung auf Basis einer gemeinsamen Einschätzung ihres Individuellen Förderbedarfs durch Kindertageseinrichtung und Grundschule.

 

Kindergartenkinder können viel von Grundschulkindern lernen, wenn Pädagogen das Miteinander von Kindern im Rahmen gemeinsamer Projekte im Brückenjahr ermöglichen.

Die Kindertagesstätte Vorbrück hat mit der Grundschule Vorbrück seit 2008 einen Kooperationsvertrag geschlossen und es wurden Vereinbarungen zu gemeinsamen Bildungsangeboten festgelegt.

Das letzte Jahr in der Kindertagesstätte vor der Einschulung wird als das Brückenjahr bezeichnet. Die Kinder, die sich im Brückenjahr befinden, nennen wir „Forumkinder.“

 Für diese gibt es vielfältige, gruppenübergreifende Projekte, mit Schülern und Lehrern der Grundschule Vorbrück und den Fachkräften der Kindertagesstätte Vorbrück.

Die Sprachförderkräfte der Kindertagesstätte Vorbrück begleiten die Forumkinder in die Grundschule und nehmen an den Projekten teil.

Eine gemeinsame Abstimmung über Sprachbildung und Sprachförderung vor der Einschulung findet beginnend mit der gemeinsamen Sprachstandsfeststellung statt. Die Sprachförderung der Forumkinder mit besonderem Förderbedarf wird mehrmals in der Woche von den Sprachförderlehrkräften der Grundschule, in den Räumen der Kita, durchgeführt.

Die Lehrkräfte der Grundschule und die Sprachförderkräfte tauschen sich regelmäßig aus, reflektieren die Entwicklungsschritte der Kinder und beraten sich kollegial.

Quellennachweis:

 

-Konzeption der Kindertagesstätte Vorbrück,

 

-Handlungsempfehlungen zum Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächischer Tageseinrichtungen für Kinder,

 

 -„Was tut der Wind,wenn er nicht weht.“          Annette Dreier,

 

-„ Lernen von Reggio“,                                       Professor Dr. Tassilo Knauf

 

-„ Handlexikon der Reggio-Pädagogik“              Professor Dr. Tassilo Knauf

 

 

 

 

 

 

Walsrode,9.8.2016                                                                     Walsrode,9.8.2016

 

 

 

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Susanne Heßland                                                                              Jutta Budig

Leiterin der Einrichtung                                                                   Sprachförderfachkraft